Weltseniorentag am 1.11: Armut und Einsamkeit im Alter machen krank!

8. Oktober 2015

Senioren fahren immer in den Urlaub und genießen ihre Rente? Dass dies längst nicht für alle gilt, zeigt eine aktuelle Erhebung des Statistischen Bundesamtes: Demnach sind 16 Prozent der über 80-Jährigen einsam. Und: Knapp zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen.

Ältere Menschen werden immer ärmer – auch in Hamburg. Anlässlich des Weltseniorentages am 1. Oktober hat die AWO Stiftung jetzt im Rahmen ihrer „Aktion Augen auf!“ auf einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Armut und Einsamkeit“ auf die Folgen der steigenden Altersarmut hingewiesen.

Claus Gotha, Vorstandsvorsitzender der AWO Stiftung betonte: „Es gibt viele Gründe, warum immer mehr Menschen im Alter wenig Geld haben und vereinsamen: Singlehaushalte nehmen zu und die Menschen sind mehr gefordert, beruflich mobil und flexibel zu sein.“

Schlimme Folgen von Altersarmut und Vereinsamung
Dies kann künftig dazu führen, dass noch mehr Menschen im Alter alleine sind. Zudem gibt es immer mehr unstabile Erwerbsbiografien. „Rund 84 Prozent der von Altersarmut Betroffenen sind Frauen“, sagte Prof. Dr. Wolfgang H.-H. von Renteln-Kruse, Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik im Albertinen Haus, der die Ergebnisse seiner aktuellen LUCAS-Studie anführte. Demnach leben die Gebrechlichsten am häufigsten alleine und haben keinen Menschen, der sich um sie kümmert. Die Vereinsamung, insbesondere bei hilfsbedürftigen Senioren, führe häufig dazu, dass Krankheiten unentdeckt blieben, die Menschen weniger oder gar nicht zum Arzt gingen und auf sich alleine gestellt seien. Der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin des UKE, Prof. Dr. Klaus Püschel erklärte dazu: „Dies führt dazu, dass diese Menschen früher oder qualvoller sterben, weil sie nicht mehr für sich selber sorgen können und die medizinische Versorgung zu spät oder gar nicht greift. Ich sehe tagtäglich im Rechtsinstitut die Folgen von Vereinsamung und Armut: Druckgeschwüre und Wundliegen, aber auch Unterernährung und vieles andere.“

Budni-Chef: „Altern ist nicht sexy!“
Der Vizepräsident der Hamburger Ärztekammer, Klaus Schäfer formulierte das Problem aus hausärztlicher Sicht: „Die Schweigepflicht verbietet uns, auf Missstände hinweisen zu dürfen. Aus meiner Sicht muss hier ein Umdenken stattfinden.“ Deshalb sei es umso wichtiger, dass außenstehende Personen wie Nachbarn oder Hausmeistern wachsam sind und Hinweise geben, welche hilfsbedürftigen Senioren Unterstützung benötigen, sagt Claus Gotha. Hier setzt seit etwa fünf Jahren die „Aktion Augen Auf!“ der AWO Stiftung an. Ehrenamtliche suchen präventiv ältere Menschen auf, die einsam und von Altersarmut bedroht sind. Cord Wöhlke, Geschäftsführer von Iwan Budnikowsky GmbH & Co. KG. knüpfte hier an: „Altern ist nicht sexy. Deshalb müssen wir dem Thema wieder mehr Bedeutung beimessen und Öffentlichkeit herstellen.“

Cord Wöhlke diskutierte  auf dem Podium zusammen mit dem Direktor des Instituts für Rechtsmedizin des UKE, Prof. Dr. Klaus Püschel, dem Vizepräsidenten der Hamburger Ärztekammer, Klaus Schäfer; Prof. Dr. Wolfgang H.-H. von Renteln-Kruse, Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik im Albertinen Haus und Claus Gotha, Vorstandsvorsitzendem der AWO Stiftung (s. Foto).

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Das Podium

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Viele Gäste lauschten der interessanten Diskussion.

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